Eppstein - Tom hat Hunger. Da scheint das Kaninchen dem Rüden gerade recht zu kommen. Doch Herrchen Oliver Graw hat schon «Stopp» gerufen, Tom hört, und statt dem Kaninchen gibt es ein Leckerli. Gelernt haben Hund und Herrchen das beim Hundetrainer Rainer Schröder.
Der Besitzer der «Rhein-Main-Hundeschule» in Eppstein versteht sein bei der Polizei gelerntes Handwerk. Bald wird er Deutschlands erster zertifizierter «Hundetrainer und Verhaltensberater» sein.
Bisher weiß kaum ein Hundebesitzer, welche beruflichen Qualifikationen der Trainer hat, dem sie sich mit ihren Lieblingen anvertrauen. Jeder kann eine Hundeschule eröffnen, denn Hundeerzieher ist in Deutschland kein anerkannter Ausbildungsberuf. Der Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV) in Hofheim qualifiziert zwar seit 1996 Hundeerzieher, nur staatlich anerkannt ist dies nicht. «Wir wollen, dass Hundehalter ein Qualitätskriterium an die Hand bekommen», erklärt Schröder, der selbst Gründungsmitglied und Vorsitzender des BHV ist.
Ein guter Trainer ist die Voraussetzung für einen ethischen und sachkundigen Umgang mit dem «besten Freund des Menschen». Doch es gebe viele schwarze Schafe in der Branche, moniert Schröder: «Wo Geld ist, wird betrogen. So wird bei manchen Ausbildern in zwei Wochen aus einem 400-Euro-Hund ein zehn Mal so teurer Begleiter für Behinderte. Dass das nicht gut gehen kann, ist selbstverständlich.» Außerdem gebe es beim Hund schon lange einen Wandel vom Nutztier zum Sozialpartner. Und einen Sozialpartner erziehe man nicht mit Stachelhalsband oder Elektroschocks. «Wir wollen eine Hundeerziehung ohne Zwang. Die vermeintliche Notwendigkeit zur harten Handhabung, die Parforce-Erziehung, ist unethisch», sagt Schröder bestimmt.
Stattdessen werden auf dem Sommerfest der Hundeschule die Resultate des «Clicker-Trainings»
präsentiert. Dabei wird positives Verhalten mit Futter belohnt und zuvor jedes Mal mit einer Art Knackfrosch geklickt. Hunde und Herrchen lassen sich bei der Vorführung auf dem Sommerfest weder von Kaninchen Paul noch von Fleischwurst und Spielzeug irritieren. «Trotz aller Ablenkungen muss das Tier machen, was der Hundehalter will: das ist Hundeerziehung», sagt der ehemalige Polizeihundeführer Schröder. Der Hundehalter werde in der «Partnerschule für Mensch und Hund» ebenfalls erzogen. «Die Verantwortung für die Ausbildung liegt zu 90 Prozent beim Halter, zu zehn Prozent beim Tier»,
Nicht nur das Karnickel im Käfig hat vollstes Vertrauen in Schröders Erfahrung und Lehrmethoden. Toms Herrchen Oliver Graw kommt mit seinem Hund seit dreieinhalb Jahren in die Hundeschule. «Hier wird den Menschen erklärt, wie ein Hund funktioniert, und was sie sich damit angeschafft haben.» Bei Würstchen und Limo pflichtet ihm die «Mami» von Berner-Sennen-Dame Zoja bei: «Ich habe gelernt, dass ich meinem Hund Grenzen geben muss.»
Im Kampf um eine anerkanntes Berufsbild gelang Schröder und seinen Mitstreitern beim Hundeerzieher-Verband BHV im Juli ein wichtiger Schritt: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam bietet in Zusammenarbeit mit dem BHV ab Herbst den bundesweit ersten staatlich anerkannten Lizenzlehrgang zum «Hundeerzieher und Verhaltensberater» an. Mit Hilfe von Tierärzten, Biologen und Verhaltensforschern sollen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse praxisorientiert weitergegeben werden. Schröder wird der erste sein, der die
Prüfung ablegt und sich die Plakette ins Fenster hängen darf. Kaninchen Paul ist das egal: Seine Möhren sind ihm sicher. Und vor Tom brauchte er ohnehin keine Angst zu haben, schließlich trennte die beiden ein Käfiggitter.
Rhein-Main Hundeschule:
www.rhein-main-hundeschule.de
Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen:
www.bhv-net.de