Kann die Liebe zum Hund einen Menschen zum Mörder machen? Das Schöffengericht hatte sich gestern mit dem Yorkshire-Terrier "Sheila" zu befassen, genauer gesagt, mit seinem Herrchen. Beim Streit, wer den Hund bekommt, soll der Mann seiner Ex mit dem Tod gedroht haben. Doch die Beweislage war sehr dünn.

Die Frage, wem Sheila denn nun gehört, konnte das Gericht nicht beantworten. Und auch sonst blieb ziemlich nebulös, ob es vor einem Jahr in der Kleingartenkolonie am Ratio-Supermarkt zu unschönen Szenen gekommen ist, mit Beleidigungen und blauen Flecken. Sicher ist jedoch, dass Yorkshire-Terrier Sheila seitdem nicht mehr bei Frauchen lebt, sondern wieder bei Herrchen. In einen Wohnwagen auf dem Campingplatz.

Herrchen ist der Typ alternder Cowboy. Im Gerichtssaal hatte der 61-Jährige gestern seinen großen Auftritt mit Lederjacke, Filzhut und Westernstiefeln. Zur schwarzen Nadelstreifenhose trug er ein grünkariertes Flanellhemd, dazu passend türkisfarbenen Indianerschmuck.

Vor den Kadi musste der drahtige Ex-Boxer, weil ihn der Staatsanwalt der Nötigung und des räuberischen Diebstahls bezichtigte. Und das alles für einen Yorkshire-Terrier. "Der Hund Sheila, das ist nämlich meiner", stellte der Angeklagte gleich zu Beginn der Verhandlung klar, "den hab ich schon gehabt, da hab ich die Frau noch gar nicht gekannt!"

Der Cowboy bestritt nicht, dass er seiner Verflossenen den Hund schon einmal als Versöhnungsgeschenk überlassen hatte. Deshalb, so machte die 66-jährige Rentnerin geltend, gehöre Sheila ihr.

Nach der Trennung der beiden Anfang 2006 war der Yorkshire-Terrier bei ihr geblieben. Allerdings nur, um Streit zu vermeiden, wie der Angeklagte versicherte. "Irgendwann", so habe er sich gesagt, laufe ihm der Hund sowieso wieder zu.

So ähnlich kam es dann auch an einem Septembertag vor einem Jahr. Django fuhr mit seinem Roller zum Kleingarten seiner Ex-Lebensgefährtin und musste gar nicht lange rufen, da kam Sheila schon schwanzwedelnd angelaufen. Im Nu war der Hund in der Lederjacke des Cowboys verschwunden.

Vor der Abfahrt kam es nach der Aktenlage noch zu einem Wortgefecht, einer Beleidigung in Form eines gezückten Stinkefingers und einer Körperverletzung in Gestalt mehrerer blauer Flecken. Django, der alles bestritt, soll seiner Ex-Lebensgefährtin zugerufen haben: "Wenn du mir Sheila wegnimmst, bring ich dich um!"

"Das trau ich ihm zu", bekundete die als Zeugin geladene Rentnerin gestern, einen Nebenbuhler habe er auch schon zusammengeschlagen. Doch die Freundin der Ex, die den Zusammenprall beobachtet hatte, konnte sich gestern an keine strafrelevanten Einzelheiten erinnern.

Da hatte der Staatsanwalt nichts mehr in der Hand, und die Prozessbeteiligten einigten sich auf die Einstellung des Verfahrens. Verärgert reagierte das Ex-Frauchen auf diese Entscheidung. Beim Verlassen des Gerichtssaals schimpfte die Rentnerin auf ihre vergessliche Freundin: Die sei jetzt wohl mit Sheilas Herrchen liiert.
Quelle:

Osnabrücker Zeitung