Hundehalterbrevet Neue
Prüfung für einen problemlosen Umgang mit Hunden
Seit Beginn dieses Jahres können sich Hundehalter bestätigen lassen, dass sie ihre Vierbeiner im Griff haben. In Derendingen fand jüngst eine entsprechende
Prüfung statt.
Olivier Andres
Darki weicht seinem Frauchen kaum von der Seite. Gehorsam läuft der Mischlingsrüde neben Marlies Gerber her und lässt sich auch von Begegnungen mit Menschen und anderen Hunden nicht ablenken. Mit den Befehlen klappt es ebenfalls hervorragend. Ob «Sitz», «Platz» oder nur sein Name gerufen wird: Darki reagiert schnell und gehorcht Marlies Gerber aufs Wort. «Die Verbindung im Team Hund-Mensch ist hier sehr gut», findet deshalb auch der Experte Fredi Peter. Klar, dass solche Leistungen belohnt werden: Darki erhält Biscuits und Marlies Gerber wird mit dem Hundehalterbrevet attestiert, dass sie ihren Vierbeiner bestens im Griff hat.
Positive Reaktionen der Hundehalter
Nicht alle Hundehalter bestehen die
Prüfung derart mit Bravour wie Marlies Gerber. «Etwa einen Viertel der Teilnehmer mussten wir ohne Ausweis wieder nach Hause schicken», erklärt Elisabeth Gautschi, die den Hundehaltertest in Derendingen organisierte. Vor allem das so genannte Abrufen, das Zurückrufen des Hundes, war dabei immer wieder ein Problem. «Weil das Abrufen das Wichtigste ist, sind wir da jedoch besonders hart», meint Gautschi. Drei Chancen haben deshalb die Hundehalter in der schweizweit einheitlichen
Prüfung nur. Reagiert der freilaufende Hund nach dem dritten Zurufen immer noch nicht, gilt die ganze
Prüfung als nicht bestanden.
Trotzdem: Der erst seit Anfang dieses Jahres bestehende Test wurde von den Hundehaltern sehr gut aufgenommen. Dies zeigt schon alleine die Tatsache, dass in Derendingen über 40 Teilnehmer den
Prüfungsparcours absolvierten. Auch Marlies Gerber kann dem neuen Brevet nur Positives abgewinnen: «Angesichts der Zeit, welche ich in die Ausbildung von Darki investiert habe, ist dies eine schöne Bestätigung», meint die Grenchnerin.
Ähnliches berichtet auch Monika Stähli vom Kynologischen Verein Berna. Obwohl sich noch nicht viele Hundehalter für die ausgeschriebenen
Prüfungen angemeldet hätten, sei das Brevet zumindest in ihrem Verein gut aufgenommen worden. Mit dem neuen Ausweis können Hundebesitzer nämlich nun beweisen, dass sie ihren Vierbeiner stets kontrollieren können. - Ein Umstand, der mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, finden doch immer wieder vor allem negative Schlagzeilen über Hunde Eingang in die Berichterstattungen der Medien.
Brevet bald obligatorisch?
Die Schuld für gewalttätige Übergriffe liege dabei oft nicht in erster Linie bei den Hunden, sondern vielmehr bei deren Haltern, meint Monika Stähli. «Viele Menschen kennen ihren Hund nämlich gar nicht mehr richtig.» Anstatt zum Gehorsam würden die Tiere dann oft fälschlicherweise zur Selbstständigkeit erzogen. Die Folge davon sei, dass die Beziehung zwischen Mensch und Tier nicht stimme und die Hundebesitzer ihre Vierbeiner vielfach kaum mehr unter Kontrolle hätten. Mit der Hundehalterprüfung - für Monika Stähli «eine sehr schlaue Sache» - könnte hier etwas Gegensteuer gegeben werden. Einerseits arbeite man dadurch verstärkt mit den Hunden und andererseits werde nicht nur der Hund alleine, sondern das ganze Team Hund-Mensch beurteilt.
Angesichts dieser Vorteile sind die meisten Hundebesitzer gemäss Elisabeth Gautschi sogar dafür, das derzeit noch freiwillige Brevet obligatorisch zu erklären. Dass damit alle Hundehalter erfasst werden können, glaubt Gautschi jedoch nicht. «Gerade die schwarzen Schafe werden sich auch bei einem Obligatorium nicht zeigen.» Bei der Durchsetzung der Brevet-Pflicht sieht die Hunde-Expertin, die schweizweit für das Controlling der Hundehalterprüfungen verantwortlich ist, ebenfalls Probleme. So müssten etwa die Fragen geklärt werden, was mit Verweigerern und denjenigen Haltern geschieht, welche die
Prüfung nicht bestehen. Als eine eher umsetzbare Lösung schlägt Elisabeth Gautschi daher ein Anreizsystem vor. Hundehalter, welche die
Prüfung erfolgreich absolviert haben, könnten demnach etwa von der Hundesteuer befreit werden.
Informationen unter
www.hundehalterbrevet.ch