PFULLINGEN. Unter allen Haustieren ist für Petra Zipp der Hund »ein wirklicher Partner des Menschen«. Ein Partner, der uns versteht, mit uns lebt und zuhört. Doch das bedeutet auch, der Hund stellt große Ansprüche an seinen Halter. Er verlangt Aufmerksamkeit, Beschäftigung und das reichlich. Wie eng die Partnerschaft Hund-Mensch ist, zeigt sich auch daran, dass er problemlos mit in den Urlaub genommen werden kann. Denn wo der Hund bei seinem Menschen, seinem Rudel ist, ist ihm eigentlich egal Hauptsache er ist dabei.
Über fünf Millionen Hunde vom Pekinesen bis zur Deutschen Dogge liegen in Deutschland ihren Herrchen oder Frauchen zu Füßen, beschützen, bewachen, helfen oder unterhalten, je nach Rasse, Ausbildung oder Charakter. Das heißt, in etwa jedem siebten Haus oder Wohnung steht ein Napf für den Hund bereit. Und das hat Folgen für ihre Besitzer: »Ein Hund strukturiert den Tagesablauf«, sagt die Chefin des Pfullinger Bmt-Tierschutzzentrums, denn das Tier will einfach raus, drei-, viermal am Tag mindestens. Dem Pekinesen reicht?s, wenn er dabei um die Ecke geht, der Collie will jedes Mal eine halbe bis eine Stunde laufen.
Immer mit der Zeit rechnen
Beratung ist für Petra Zipp das A und O beim Hundekauf. Wie viel Zeit habe ich? Gehe ich gerne spazieren? Welche Erwartungen habe ich an das Tier? Gibt es andere Tiere im Hause? Wie und wo verbringe ich gerne meine Freizeit, meinen Urlaub? Und weiteren Fragen muss sich der zukünftige Hundebesitzer stellen, um den richtigen Partner zu finden. So macht es keinen Sinn einen Hütehund, der seine tägliche Arbeit verrichten will, an eine Familie zu vermitteln, die am liebsten vor dem Fernseher liegt oder alle, sei es im Verein oder Beruf so eingespannt sind, dass wenig Zeit für das Tier übrigbleibt.
Die Auswahl an Rassen ist riesig. »Der Hund ist viele Tiere«, so die hefin des Tierschutzzentrums, welches sich der Mensch auswählt, muss gut überdacht werden. Denn nicht alles lässt sich mit Erziehung regeln. Wer den bereits angesprochenen Hütehund in der kleinen Wohnung hält, darf sich nicht wundern, wenn der am Abend Freunde und Bekannte nicht mehr in die Wohnung lässt und sie ausbellt. Zu ausgeprägt ist sein Instinkt, mit Anbruch der Dämmerung sein Rudel vor Fremden und Fressfeinden zu beschützen. Wer einen Husky hat, kann dem Hund nicht die Schuld in die Schuhe schieben, wenn der nach einem fünfminütigen Spaziergang am Morgen alleine für Stunden in der Wohnung zurückgelassen, bis zur Rückkehr seines Herrchens selbige in ihre Einzelteile zerlegt hat. »Hund und Mensch müssen zusammenpassen.«
Welpen fordern Geduld
Gerade deshalb empfiehlt sie auch für Hundeanfänger ein erwachsenes Tier. Da ist der Charakter klar definiert. Der neue Besitzer weiß, was auf ihn zukommt, vorausgesetzt der Vorbesitzer ist ehrlich und offen. In ihrem Tierheim rückt Petra Zipp deshalb den Wunschhund erst raus, wenn sich der neue Halter samt Familie und der Vierbeiner ordentlich beschnuppert haben und auch Petra Zipp erkennt: »Das könnte klappen.« Wer sich einen jungen Welpen anschafft, braucht vor allem Geduld und eine Wohnung im Parterre oder ein Haus mit Garten. Sonst wird?s ziemlich schwierig, das junge Tier stubenrein zu bekommen. »Wenn Sie zuerst drei Treppen bis auf die Straße rennen müssen, dann ist es meistens schon passiert.« Und so ein junges Tier macht die gleiche Entwicklung durch wie ein Mensch bis zum Erwachsensein allerdings in einem Jahr. Pubertät eingeschlossen, wie Petra Zipp anmerkt. Geduld sei gefordert, wenn der süße Kleine das Sofakissen zerfetzt, die Pflanzen ausgräbt, und eine Erziehung ohne Gewalt.
Prinzipiell sind Hündinnen einfacher zu halten als ein Rüde. »Die wollen sich nicht so durchsetzen« sind Rangkämpfe in der Familie deshalb seltener. Bleibt noch die Frage, Rasse oder Mischling? Letztere seien meist gesünder, sagt Zipp, und die Besitzer von Rassehunden oft enttäuscht, weil die versprochenen Charakterzüge ausblieben. Doch die Tierschützerin stellt auch fest. »Ein Hund kommt nicht fertig in die Familie, mit ihm muss gearbeitet werden«, und das bringt sie auf drei Nenner: »Hundeschule, Hundeschule, Hundeschule.«
Hundeschule ist wichtig
Was und darüber sollte sich die Hundeinteressierten auch klar sein Geld kostet. Gleichwohl dem Hund sonst zum Leben recht wenig reicht. Ein Hundekorb oder auch zwei nimmt er gerne, wenn darin noch eine alte Decke liegt, ist es ihm noch lieber, Brustgeschirr oder Halsband, eine Bürste, Zeckenzange, Trink- und Fressnapf schon ist das Wichtigste angeschafft. Aber insgesamt gesehen ist der Vierbeiner nicht billig. Die Hundesteuer schlägt etwa in Reutlingen mit 108 Euro im Jahr zu Buche. Äußerst sinnvoll ist eine Hundehaftpflichtversicherung. Denn schmeißt der Hund etwa einen Radfahrer um oder »stellt sonst was an«, ist der Halter für sein Tun verantwortlich. Ab 50 Euro werden Versicherungen angeboten. Es lohnt sich, zu vergleichen, manchmal kann man den Hund auch in die bestehende Privathaftpflicht mit aufnehmen natürlich nicht kostenlos.
Dann sind da noch die Tierarztkosten. Denn ein Hundeleben kann ganz schon lange sein und meist so mit dem neunten Lebensjahr fangen die Zipperlein an. Da ist es gut, wenn man regelmäßig etwas beiseitelegt, Hundehaltung ist nicht preiswert, sagt Zipp, selbst zufriedene Besitzerin von zwei Mischlingshunden. Gerade für Familien ist für sie aber der Hund das geeignetste Tier. Zu keinem anderen bauen Kinder so ein inniges Verhältnis auf, werden Tier und Kind so dicke Freunde. Wichtig ist aber dabei, dass die Eltern ihren Sprösslingen helfen, den Hund als eigenständiges Wesen mit Bedürfnissen zu begreifen und nicht als allzeit verfügbares und geduldiges Spielzeug. Dann steht einem harmonischen Miteinander nichts im Weg.