Über dieses Thema wurde ein Interview geführt, welches beim ADRK gedruckt wurde. Ist vll auch für Schäferbesitzer interessant. Hab mal einen wichtigen Auszug kopiert:
http://www.adrk.de/0_aktuell_2007061..._schoening.htm
H.B.: Mit der Rasse Rottweiler ist in Hamburg eine alte deutsche Gebrauchshundrasse in die Kategorie 3 mit aufgenommen worden. Ein Hund, mit dem auch der für einen Gebrauchshund geläufige Hundesport VPG (Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde) gemacht wird. Wie sehen Ihre Erfahrungen innerhalb des Wesenstests im Hinblick auf im Schutzdienst ausgebildete Hunde aus?
Dr. B. Schöning: Auch vor der Listung des Rottweilers in Hamburg hatte ich bei Wesenstests schon mit den diversen Gebrauchshundrassen, darunter auch einige Hunde, die im Schutzhundesport ausgebildet waren, zu tun. Ich vertrete die Meinung, dass eine korrekt und nach den neuesten Erkenntnissen des Lernverhaltens eines Hundes ausgeführte Schutzhundausbildung als positiv zu betrachten ist. Ein korrektes und gutes Training erhöht generell die Sicherheit des Hundes, ganz egal, ob es um reinen Gehorsam oder einen Sportbereich geht. Schutzhundesport ist dann ein Hundesport wie jeder andere auch. Ich halte ihn, bei korrekter Ausführung, auch nicht für bedenklich im Sinne einer Steigerung der Aggressionsbereitschaft eines Individuums. Die mir im Test vorgeführten Hunde mit einer erfolgreich abgeschlossenen Schutzhundausbildung fielen im Durchschnitt sehr positiv auf. Diese Hunde waren in der Regel sorgfältig und korrekt ausgebildet worden, die Halter verhielten sich dementsprechend freundlich und ruhig im Umgang mit dem Hund. Die Hunde waren stresstolerant, sicher und gut kontrolliert. Gerade bei den drei im Wesenstest vorkommenden Bedrohphasen war bei diesen Hunden deutlich zu beobachten, dass sie ganz klar zwischen einer Bedrohung im Alltagsleben und einer Bedrohung in Figurantenmanier unterscheiden können. Das Verhalten der Hunde ließ sich dabei wie mit einem Schalter zwischen "Sport" und "Alltag" umlegen. Bei "Sport" kam es zum Packen des Arms des Testers, bei "Alltag" wichen die Hunde zurück und konzentrierten sich auf den Halter bzw. zeigten aktives Demutsverhalten. Dies konnte ich natürlich nicht nur bei Rottweilern beobachten, sondern auch bei Schäferhunden, Riesenschnautzern oder anderen Gebrauchshunden.
H.B.: Welche Fehler könnten bei der Ausbildung im Hundesport gemacht werden?
Dr. B. Schöning: Wenn z.B. ein Hund über Schmerzzufügung zum Beißen oder Verbellen gebracht wird. Dies ist nicht nötig, wenn lernbiologische Grundlagen konsequent und korrekt befolgt werden. Nicht korrekt wäre es auch, den Hund im Training so massiv unter Stress zu setzen, dass er
handlungsunfähig wird und nur noch aus großer Angst bzw. massiver Unsicherheit bellt oder beißt. Generell sollte Schutzhundesport nur mit Hunden gemacht werden, die eine vernünftige Beißhemmung gelernt haben. Ein Hund mit einer vernünftigen Beißhemmung ist auch im Sport kalkulierbarer in seinem Beißverhalten. Es ist dann auch hier wieder der Mensch, der über seine Kommandos den Hund steuert. Das geforderte Packen des Figuranten bei der VPG zeigen im Übrigen auch Hunde mit einer guten Beißhemmung - das eine schließt das andere nicht aus.
H.B.: Manchmal ist zu hören, einem sogenannten aggressiven Verhalten des Hundes in der Erziehung und Ausbildung müsse man ebenso begegnen. Wie stehen sie dazu?
Dr. B. Schöning: Sicherlich ist es möglich und leider auch nicht selten üblich ein aggressives Verhalten durch eine weitere Aggression (z.B. anbrüllen oder massiv mit der Leine zu manipulieren) zum Abbruch zu bringen, nur erzeugt es bei den Hunden in solchen Fällen keinen dauerhaften
Lernerfolg, dass z.B. ein bestimmtes Hundeverhalten unerwünscht war. Es werden nur die Symptome und nicht die Ursachen bekämpft. Beim nächsten Training muss der Hund dann wieder niedergebrüllt werden, weil er das unerwünschte Verhalten wieder zeigt. Da liegt für mich kein Sinn drin - von der Tierschutzrelevanz einmal abgesehen, die solche Besitzeraggression haben kann. Ich will meinem Hund doch nicht regelmäßig aggressiv begegnen. Ich will ihm etwas beibringen - er soll etwas lernen - und danach will ich das unerwünschte Verhalten nicht mehr sehen.
H.B.: Könnte Zwang in der Ausbildung negative Folgen für das Verhalten des Hundes haben?
Dr. B. Schöning: Diese Frage ist mit einem ganz klaren Ja zu beantworten. Es gibt gerade bei Hunden, die mit Starkzwang gearbeitet wurden, viele
Beissvorfälle gegenüber ihren eigenen Besitzern. Tierschutzwidrige Ausbildung bedeutet in der Regel, dass ein Hund unter Schmerzzufügung
und mit Gewalt ausgebildet wird. Wie schon vorab erwähnt, kann auch diese Art der Ausbildung, oberflächlich betrachtet, zum Erfolg führen, sie widerspricht jedoch jeglichen wissenschaftlichen Erkenntnissen über Lernverhalten bei Hunden. Dies gilt natürlich auch für Hunde, bei denen mit starkem psychischem Druck gearbeitet wird. Auch hier kann sich das Aggressionsverhalten gegen den Besitzer wenden.



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