Mit dem Klima wandelt sich auch die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Fremde Arten erobern in Thüringen neue Lebensräume. Zum Beispiel die Auwaldzecke, die eine lebensbedrohliche Hunde-Krankheit überträgt.
THÜRINGEN. Bis vor wenigen Jahren war sie in Deutschland fast völlig unbekannt. Seit 2005 jedoch sind bundesweit etwa 1000 Hunde nach einem Stich der Auwaldzecke gestorben. Und die Gefahr nimmt zu, denn das Spinnentier kommt nicht mehr nur vereinzelt in Thüringen vor.
"Die Situation hat sich verschärft. Mittlerweile haben sich relativ stabile Populationen entwickelt", erläutert Prof. Jochen Süss. Er leitet das "Nationale Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten" am Friedrich-Löffler-Institut in Jena. Für Menschen sei das Risiko, von der zur Buntzecke zählen Art gestochen zu werden, äußerst gering. Für Hunde sei sie aber ein ernstes Problem. Denn die aus dem Mittelmeerraum stammende Auwaldzecke überträgt die so genannte Babesiose, die auch Hunde-Malaria genannt wird.
Wie bei Malaria beim Menschen werden bei befallenen Hunden die roten Blutkörperchen zerstört. Schlimmstenfalls kann das Tier schon nach fünf Tagen an Blutarmut oder innerhalb von zehn Tagen an Nierenversagen sterben. Wenn der Hund Blut im Urin hat - ein typisches Symptom für Babesiose - muss schleunigst ein Tierarzt konsultiert werden, rät der Experte. "Zudem sollte man seinen Hund nach Spaziergängen gründlich absuchen."
Auwaldzecken, so Süss, seien leicht zu erkennen. Sie sind deutlich größer als der Holzbock - der auch für Menschen gefährlich ist. Zudem hat das größere Weibchen eine braun-gestreifte Tüpfelung, die Männchen weisen blau-graue Zeichnungen auf. Auch in ihrem Verhalten unterscheiden sie sich vom Holzbock: Der lauert auf Gräsern und wird vom Opfer abgestreift - die Auwaldzecke bewegt sich auf ihren Wirt zu.
Die Zecken aus dem Südeuropäischen breiten sich rasant aus. Sie wandern immer weiter in Richtung Norden. Ihre ersten Reisen haben sie wahrscheinlich mit Zugvögeln zurückgelegt. Andere wurden von Urlaubern eingeschleppt, die ihren Hund mit hatten und die blinden Passagiere nicht bemerkten. Die milden Winter und feuchten Sommer, die der Klimawandel mit sich bringt, bieten den Blutsaugern ideale Voraussetzungen. Und in Thüringer Wäldern dürfte es ihnen auch nicht an Nahrung fehlen.