+ Antworten
Seite 1 von 3 1 2 3 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 22
  1. #1
    Erfahrener Benutzer Avatar von ginger
    Registriert seit
    28.03.2007
    Alter
    65
    Beiträge
    6.745

    Standard Nette Weihnachts Geschichten :Hier rein



    ERSTER TEIL:

    Eine nicht ganz so stille Nacht
    Klaus-Peter Behrens

    "Ich sollte mich allmählich zur Ruhe setzen."

    Müde stapfte der Weihnachtsmann durch den tiefen Schnee. Sein Atem bildete kleine Wolken in der kalten, kristallklaren Luft, die in immer kürzeren Intervallen geradewegs aus den Tiefen seines schneeweißen Bartes zu kommen schienen. Grundsätzlich be-suchte der Weihnachtsmann die Kinder am Weihnachtsabend ja gerne, doch dieser An-stieg durch den Wald den Hügel hinauf war wahrlich kein Vergnügen. Schon gar nicht, wenn man mehrere hundert Jahre alt war, dazu noch einen großen Sack mit sich her-umschleppen mußte und einem als Lichtquelle nur der gute alte Mond zur Verfügung stand, der es sich nicht nehmen ließ, gelegentlich hinter einer Wolke zu verschwinden. "Vielleicht hätte ich doch Ruphus mitnehmen sollen", überlegte der Weihnachtsmann, während er für einen Moment anhielt, um wieder zu Atem zu kommen. Fast ein wenig neidisch dachte er an den Weihnachtselfen, der es sich vermutlich gerade in dem Ren-tierschlitten bequem machte und nichts anderes zu tun hatte, als auf die Rückkehr seines Meisters zu warten. Elf mußte man eben sein. Sein müder Blick wanderte den Hügel hinauf. Ein warmer Lichtschein fiel dort durch die Bäume und wies ihm so auf den letzten Metern den Weg. "Nun gut, die Pflicht ruft. Wäre doch gelacht, wenn ich den Rest nicht auch noch schaffe", seufzte er und setzte sich wieder in Bewegung.



    Etwas weiter oben lag Harro, der Hofhund, in seiner Hütte und sinnierte über die Unge-rechtigkeit des Lebens. Heute war Heiligabend. Das war nicht zu übersehen. Überall auf dem Hof brannten bunte Lampen, und aus dem Haus roch es zum ersten Mal seit Wo-chen wieder richtig gut. Ganz offensichtlich wurde dort etwas Schmackhaftes zuberei-tet, nur ihm würde das vermutlich nicht viel nützen. Mißmutig fiel sein Blick auf den Freßnapf, der vor seiner Hütte stand und vor Trockenfutter überlief. "Eigentlich müssen wir ja sparen", hatte sein Herrchen ihm vorhin verkündet und dann sein Futternapf doch bis zum Rand gefüllt. "Aber heute ist Weihnachten. Tut mir leid, alter Junge, aber mehr als Trockenfutter ist nicht drin." Und das zu Weihnachten! Harro war sauer. Am liebsten hätte er jetzt Minka, die alte Hauskatze, über den Hof gejagt und sich ein wenig mit ihr gestritten, doch die war leider diesen Herbst verstorben. Harro vermißte sie. Auch wenn er es ihr nie gegenüber hatte zugeben können, er hatte die alte Katze ge-mocht. Nun war er das einzige Tier im Haus, und das war langweilig. Noch mehr als er, schien jedoch die fünfjährige Tina unter dem Verlust zu leiden. Seit Minka verstorben war, lief sie nur noch mit Trauermiene herum und schien Harro gar nicht wahrzuneh-men. Als ausgewachsener Schäferhund war er eben kein geeigneter Ersatz für eine An-gorakatze, egal wieviel Mühe er sich auch gab, ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Das Leben war einfach ungerecht. Ein plötzliches Geräusch lenkte Harro von seinen trübse-ligen Gedanken ab. Wenn ihn sein gutes Gehör nicht täuschte, schlich sich jemand auf der anderen Seite des Hofes den Hügel hinauf. Das war zur Abwechslung einmal inter-essant. In freudiger Erwartung bleckte Harro die Zähne. Während andere Hunde nun laut bellend den Eindringling begrüßt hätten, liebte Harro den Überraschungseffekt, den er, sehr zum Leidwesen des örtlichen Briefträgers, bis zur Perfektion eingeübt hat-te. Leise schlich er im Schatten der Hauswand zur anderen Seite hinüber, verbarg sich hinter einem großen Rhododendrenstrauch, der unter der Last des Schnees halb begra-ben war und wartete auf den Eindringling. Der große Weihnachtshund schien ein Ein-sehen zu haben und ihm etwas zum Spielen zu schicken. Harro würde sein Geschenk gebührend empfangen.

  2. #2
    Erfahrener Benutzer Avatar von ginger
    Registriert seit
    28.03.2007
    Alter
    65
    Beiträge
    6.745

    Standard


    Zweiter Teil:

    "Meinst du, der Weihnachtsmann hat mich vergessen?"


    "Natürlich nicht", beruhigte Maren ihre kleine Tochter. Liebevoll strich sie ihr über das blonde, leicht gewellte Haar und vergaß für einen Moment den ganzen Ärger, der sie zu überrollen drohte. Michael, ihr Mann, hatte vergangenen Sommer seinen Job verloren und bisher keinen neuen gefunden. Mit über vierzig Jahren hatte man ihn bisher über-all rigoros abgelehnt. "Zu alt" war die regelmäßige Begründung, auch wenn keiner sich traute, das direkt auszudrücken. Aber zwischen den Zeilen konnte man deutlich lesen, was der wirkliche Grund war. Sie steckten wirklich in der Klemme. Wenn nicht bald ein Wunder geschah, würden sie sogar ihr Haus verkaufen müssen.


    "Aber es ist schon spät, und er ist immer noch nicht da."


    "Keine Sorge, er wird schon noch auftauchen, Papa hat dafür gesorgt", vertröstete sie die Kleine, "aber ich weiß nicht, ob er dir das Spielzeug schenkt, das du dir wünscht", bereitete sie ihr Kind auf eine mögliche Enttäuschung vor, denn das Geld reichte dieses Jahr nicht für große Geschenke. Mit ihrem Mann hatte sie sogar abgemacht, sich ge-genseitig gar nichts zu schenken und das, obwohl sie doch einen Herzenswunsch hatte.


    "Ich habe mir kein Spielzeug gewünscht", erwiderte Tina ernsthaft.


    "Was dann?"


    "Das darf ich nicht verraten, sonst geht es nicht in Erfüllung."


    "OK, verstehe. Na dann lassen wir uns eben überraschen, und nun laß Mami weiter arbeiten. Ich muß noch viel erledigen, bevor der Weihnachtsmann kommt."


    "Ist gut." Wie der Wirbelwind verschwand Tina aus dem Zimmer, wobei sie fast Michael umgerannt hätte, der gerade im Begriff war, eine Girlande aufzuhängen.


    "Du hast doch den Studentendienst nicht vergessen?", hakte Maren vorsichtig nach. Sie mußten zwar sparen, aber der Weihnachtsmann vom Studentendienst kostete nun wirklich nicht die Welt. Das hatte allerdings auch seinen Grund.


    "Nein, obwohl ich das für Unsinn halte. Wenn ich nur an das letzte Jahr zurück denke. Der Typ, den sie uns geschickt hatten, war vor lauter Alkohol so weggetreten, dass er vom Schlitten fiel und die ganze Zeit wie ein Vodoopriester auf Valium vor sich hin grin-ste."


    "Ja, ho, ho, hol mir mal ein Bier", kam wirklich nicht so gut an", gab Maren kleinlaut zu, "aber diesmal haben sie versprochen, jemand mit Erfahrung zu schicken."


    "Vielleicht sollte ich mich dort bewerben. Mit meinem Alter wäre doch gut qualifiziert."


    "Michael!"


    "Tut mir leid, aber ich hatte heute schon wieder Post."


    "Absagen?", hauchte Maren ängstlich. Michael nickte.


    "Verbunden mit den besten Weihnachtswünschen. Reizend, nicht wahr? Vielleicht sollte ich wirklich auf Weihnachtsmann umsatteln. Das wäre doch einmal ein lockerer Job."



    Diese Einschätzung konnte der Weihnachtsmann gar nicht teilen. Nachdem er endlich schwer prustend sein Ziel erreicht hatte, mußte er feststellen, dass dieses von einem Jägerzaun umgeben war. Ihm blieb auch nichts erspart. Natürlich hätte er auch den Weg durch die Gartenpforte nehmen können, aber er wollte ja unbemerkt bleiben. Also wählte er den Weg über die Rückseite des Gartens und hievte ächzend ein Bein über den erstaunlich hohen Zaun. Prompt blieb er mit dem Hosenboden an einem der spit-zen Pfähle hängen. "Verdammt, das fehlt mir noch", fluchte er, während er wenig ele-gant das zweite Bein über den Zaun beförderte, das Gleichgewicht verlor und erst ein-mal der Länge nach mit dem Gesicht voraus im Schnee verschwand.



    Harro war gelinde gesagt enttäuscht. Einen Einbrecher hatte er sich anders vorgestellt. Gut, der Typ schleppte einen großen Sack mit sich herum, was seine Absichten aus der Perspektive des Hundes hinreichend dokumentierte. Trotzdem, in dem Alter sollte man nach Harros Meinung besser im Schaukelstuhl sitzen und nicht in einem abgefahrenen Kostüm Einbrüche verüben. Harro bezweifelte, dass es Spaß machen würde, den Ein-brecher, der sich gerade wie ein altersschwacher Bär aus dem Schnee hoch kämpfte, über den Hof zu jagen. Aber egal, man nimmt was man vor die Schnauze bekommt. Vielleicht würde er ja munterer werden, wenn er ihn mit seinen Zähnen bekannt ma-chen würde. Das war eine gute Idee. Auf steifen Beinen verließ Harro sein Versteck. Das Spiel konnte beginnen.



    "Das ist das letzte Mal", fluchte der Weihnachtsmann leise vor sich hin, während er den verbliebenen Schnee von seinem roten Mantel klopfte. Eine Inspektion seiner Kehrseite bestätigte ihm, dass dort ein erschreckend großer Riss klaffte. Verfluchter Jägerzaun. Seufzend brach er die weitere Überprüfung ab. Zumindest hatte er sich nichts gebro-chen, und das war die Hauptsache. Nun mußte er nur noch seine Aufgabe erledigen, doch die war nicht gerade leicht. Sein Blick wanderte über die weiße Fassade des hüb-schen Einfamilienhauses, das mit seinen hölzernen Fensterläden und der bunten Be-leuchtung in dem tief verschneiten, großzügigen Garten fast wie eines dieser Kerzen-häuser aus den Weihnachtsboutiquen wirkte. Sorgfältig musterte der Weihnachtsmann die hell erleuchteten Landhausfenster der ersten Etage, bis sein Blick an einem Fenster hängenblieb, das mit lauter Weihnachtsmalereien geschmückt war. Auf der Fenster-bank saß ein Bär, der lässig eine Weihnachtsmütze über seinem rechten Ohr trug und in den Garten hinab sah. Die schwarzen Knopfaugen schienen ihn vorwurfsvoll anzu-starren, und der Weihnachtsmann hätte schwören können, dass der Bär mitleidig sein Stoffhaupt schüttelte. Der Weihnachtsmann schnaubte. Wer interessierte sich schon für die Meinung eines altklugen Stoffbären? Zumindest wußte er nun, wo er hin mußte. Mit einem Seufzen langte er nach seinem schweren Sack und erstarrte. Soweit er sich erinnern konnte, bestand dieser aus stabilem, von Elfenhand gewebtem Sackleinen, nicht jedoch aus struppigem Fell. Auch hatte er keine elfenbeinfarbenen Reißzähne ge-habt. Erschrocken riß er die Hand zurück.


    "Hallo", knurrte Harro in seiner tiefsten Tonlage und stellte erfreut fest, dass die rosigen Wangen des Einbrechers plötzlich blass geworden waren. "Hast du dich verlaufen?"



    "Sag mal, hat da nicht eben jemand um Hilfe gerufen?", fragte Maren irritiert. Sie war überzeugt, gerade einen verzweifelten Hilfeschrei, gefolgt von einem freudigen Bellen und Knurren, vernommen zu haben.


    "Ich habe nichts gehört."


    "Und wenn Harro gerade den Studenten verspeist?"


    "Dann sparen wir Trockenfutter."


    Maren verzog wütend den Mund. Mit ihrem Mann konnte man im Augenblick wirklich nicht allzuviel anfangen. "Schon gut, dann sehe ich eben nach", schnaubte sie und schritt energisch zur Vordertür.



    "Das war wahrlich in letzter Sekunde." Mit dem, was von seinem rechten, roten Ärmel übrig geblieben war, wischte sich der Weihnachtsmann über die schweißnasse Stirn, dann schlug er dem Elfen Ruphus dankbar auf die Schulter. "Was würde ich nur ohne deine Zaubertricks machen?"

  3. #3
    Erfahrener Benutzer Avatar von ginger
    Registriert seit
    28.03.2007
    Alter
    65
    Beiträge
    6.745

    Standard



    Dritter Teil

    In der Klemme stecken", versetzte der Elf, während er grinsend den armen Harro be-trachtete. Der fand das Ganze weniger komisch. Gerade noch hatte er sich so gut mit seinem Spielzeug amüsiert und nun, von einem Moment auf den anderen, konnte er kein Glied mehr rühren. Selbst seine Schnauze, aus der noch einige rote Stoffetzen her-aushingen, war wie gelähmt. Er würde sich beim großen Weihnachtshund beschweren und sein Geschenk umtauschen.


    "Solltest du nicht auf den Schlitten aufpassen?", versuchte der Weihnachtsmann abzu-lenken.


    "Klar, aber ich kenne Euch ja schon ein paar hundert Jahre, und in letzter Zeit habt Ihr immer Hilfe gebraucht."


    "Unsinn", wiegelte der Weihnachtsmann ab, während er beobachtete, wie der Elf mit einer lässigen Handbewegung Harro in seine Hütte zurück beförderte. Es war schon ungerecht, dass Zaubern nur den Elfen vorbehalten war.


    "Ich erinnere mich noch gut an das letzte Jahr, als Ihr Euch im Zimmer geirrt hattet und um Haaresbreite als Sittenstrolch verhaftet worden wäret."


    "Ach das.." Verlegen rückte der Weihnachtsmann sein mitgenommenes Wams zurecht.


    "Oder als man Euch in Texas für einen Viehdieb gehalten und auf Euch geschossen hat. Gut war auch die Geschichte in Australien..."


    "Schluss jetzt", unterbrach der Weihnachtsmann die Aufzählung. "Ich habe zu arbeiten, außerdem kommt jemand."


    Während Weihnachtsmann und Elf sich in den Schatten der seitlichen Hauswand duckten, ging an der Vorderseite des Hauses die Tür auf. Eine Frau trat ins Freie und sah sich aufmerksam um.


    "Und?", erklang eine gelangweilte Männerstimme aus dem Inneren.


    "Falscher Alarm, Harro liegt friedlich in seiner Hütte." Die Frau verschwand wieder und schloss die Tür hinter sich. Harro konnte es nicht fassen. Sah denn keiner was hier los war? Dafür atmete der Weihnachtsmann erleichtert auf. "Das war knapp", gab er zu und schritt zur Rückseite des Hauses. Ruphus folgte ihm amüsiert. "Also weiter im Text. Ich muß da oben hinein." Mit dem Finger wies der Weihnachtsmann auf die be-malte Scheibe, hinter der noch immer der Bär thronte. Sein Blick schien zu sagen: Hier kommst du nicht rein.


    "Gut, dass Ihr so durchtrainiert seid", spottete Ruphus mit einem bezeichnenden Blick auf den immensen Bauch des Weihnachtsmannes, der sein Wams bedenklich spannte.


    "Das macht eine Woche Rentierstriegeln extra", knurrte der Weihnachtsmann beleidigt und begab sich auf die Suche nach einer einfacheren Zutrittsmöglichkeit. Irgendwie würde er schon in dieses Haus kommen. Er spürte, dass die kleine Tina ihn brauchte. Viele Wünsche von Kindern gingen ihm im Laufe eines Jahres auf geheimnisvolle Weise zu. Doch leider wünschten sich diese, sehr zum Mißfallen des Weihnachtsmannes, nur Spiele für ihre Computer oder Spielekonsolen, bei denen regelmäßig ganze Monsterhor-den von einem degenerierten Helden unter Zuhilfenahme diverser Hypermegaüberkill-waffen vom Bildschirm gepustet wurden. Der Weihnachtsmann seufzte unbewußt. Wo war nur die Zeit geblieben, als er noch mit einer Holzeisenbahn aus seinem Rucksack ein Lächeln auf jedes Kindergesicht zaubern konnte? Vergangen, wie so vieles. Doch bei Tina war das anders, ganz anders. "Lieber Weihnachtsmann", hatte sie ihren Wunsch begonnen, "ich wünsche mir nur zu wissen, dass es Minka im Katzenhimmel gut geht. Mehr nicht! Bitte, bitte sag mir, ob sie gut angekommen ist. Sie ist nämlich schon ein bißchen alt und sieht nicht mehr so gut. Ich wünsche mir nur, dass du ihr hilfst, falls sie sich auf dem Weg nach oben verflogen hat. Ich warte auf deine Antwort." Der Weih-nachtsmann war gerührt und hatte Tinas Wunsch ganz oben auf die Liste gesetzt. Klar ging es Minka gut. Liebe Katzen kommen in den Himmel. Keine Frage! Und das würde er Tina mitteilen, außerdem hatte er da noch etwas in seinem Sack, das sie vielleicht ein wenig trösten würde.


    "Und, schon eine Möglichkeit gefunden?", riß Ruphus ihn aus seinen Gedanken.


    "Hier ist noch eine Tür", erwiderte der Weihnachtsmann leise. Tatsächlich befand sich auf der Rückseite des Hauses eine weitere Tür, hinter der sich eine strahlend hell er-leuchtete Küche im Landhausstil verbarg. Wie sie von da allerdings unerkannt ins Zimmer der kleinen Tina gelangen sollten, blieb vorerst ein Rätsel. Dafür tat sich ein neues Problem auf. Während der Weihnachtsmann noch nachdenklich vor der hell er-leuchteten Küchentür stand, öffnete sich diese plötzlich wie von selbst, und im Tür-rahmen erschien ein kräftig gebauter Mann.


    "Da sind Sie ja. Wurde auch langsam Zeit", begrüßte er den verdutzten Weihnachts-mann. "Na wenigstens haben Sie das mit der Hintertür nicht vergessen. Aber wer ist das?" Mit erstauntem Gesichtsausdruck deutete er auf Ruphus, der seine spitzen Oh-ren unter seiner Wollmütze verschwinden ließ.


    "Gestatten, Ruphus, Weihnachtself", stellte er sich vor.


    "Ich habe nur einen Mann bestellt und werde auch nur für einen bezahlen", knurrte Michael unfreundlich zurück.


    "Oh, der ist umsonst", wiegelte der Weihnachtsmann, der allmählich seine Fassung wieder zurück erlangte, ab.


    "Na schön, dann kommt rein." Michael trat zur Seite und machte eine auffordernde Handbewegung. Zögernd leisteten Weihnachtsmann und Elf der Einladung Folge. Er-freut stellten sie fest, dass es in der Küche wie in ihrer heimischen Weihnachtsbäckerei am Nordpol roch. Auf der Arbeitsplatte standen fein säuberlich aufgereiht diverse Schüsseln mit selbst gebackenen Keksen, und im Ofen brutzelte irgendetwas vor sich hin, das Ruphus das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ.


    "Die Maske ist gut", stellte Michael nüchtern fest, nachdem er den Weihnachtsmann näher in Augenschein genommen hatte. "Sie könnten glatt für hundert Jahre durchge-hen."

  4. #4
    Erfahrener Benutzer Avatar von ginger
    Registriert seit
    28.03.2007
    Alter
    65
    Beiträge
    6.745

    Standard



    Vierter Teil

    Danke", erwiderte der Weihnachtsmann erfreut. "Sport lohnt sich eben doch."


    Michael sah ihn daraufhin mißtrauisch an. "Sie haben doch nichts getrunken?"


    Weihnachtsmann und Elf schüttelten demonstrativ den Kopf. Erst jetzt fiel Michael der zerfledderte Ärmel des Weihnachtsmannes auf, der seiner Aufmerksamkeit bisher ent-gangen war. "Was ist denn damit passiert?", fragte er irritiert. Verlegen versuchte der Weihnachtsmann seinen Ärmel hinter dem Rücken zu verbergen.


    "Motten", half Ruphus dem Weihnachtsmann mit einer Erklärung aus der Patsche.


    "Ganz schön gefräßig", stellte Michael beeindruckt fest.


    "Oh ja, besonders die eine Plage hatte ziemlich große Zähne." Der Weihnachtsmann nickte bestätigend bei der Erinnerung an Harro, den Hofhund.


    "Wann werde ich je erleben, dass die uns einmal einen vernünftigen Mann schicken?" Michael seufzte, worauf der Weihnachtsmann beleidigt das Gesicht verzog. "Na schön, das ist jetzt nicht zu ändern", fuhr Michael fort. "Nehmen Sie Platz, ich erkläre Ihnen gleich, was Sie tun sollen, doch zuerst muß ich dafür sorgen, dass wir nicht gestört werden. Das dauert nicht lange." Ohne ein weiteres Wort verschwand er durch die Kü-chentür und ließ einen verdutzten Weihnachtsmann nebst Elf zurück.


    "Wie meint er das? Er erklärt uns, was wir tun sollen?", fragte der Weihnachtsmann irritiert, während sie sich in die kleine, halbrunde Eßecke, die an der Stirnseite der Kü-che halb unter dem gemütlichen Küchenfenster stand, zwängten. Er war ja schon eine ganze Weile im Amt, aber so eine Behandlung war ihm noch nicht untergekommen.


    "Ich schätze, er verwechselt uns mit jemanden", spekulierte Ruphus, während er sehn-süchtig die Keksschalen ins Auge fasste.


    "Wie kann man mich verwechseln? Sehe ich vielleicht aus wie der Osterhase?", fauchte der Weihnachtsmann empört.


    "Naja, wenn man da etwas mit den Ohren machen würde..."


    "Ruphus!"


    "Schon gut, ich denke, er hält Euch für einen Mietstudenten, der den Weihnachtsmann spielen soll", klärte Ruphus ihn auf.


    "Oh.."


    "Tja, ich schätze, wir bekommen ein ernstes Problem, wenn der echte Miet-Weihnachtsmann hier auftaucht. Vielleicht sollten wir besser wieder verschwinden."


    "Nicht bevor ich die kleine Tina glücklich gemacht habe", erwiderte der Weihnachts-mann entschlossen. Liebevoll tätschelte er den großen Sack, aus dem zu Ruphus Er-staunen ein klägliches Miauen ertönte. Doch er zuckte nur die Achseln. Was das Be-schenken anging, duldete der Weihnachtsmann keine Kritik. Dafür stellte Ruphus et-was anderes fest.


    "Hier ist nicht nur Tina unglücklich", bemerkte er, wobei er sich durch einen großen Haufen Papier wühlte, der plötzlich mitten auf dem Tisch wie von Zauberhand erschie-nen war. "Ihre Bewerbung" war auf vielen der Schreiben zu lesen, andere trugen die Überschrift "Letzte Mahnung".


    "Laß das sofort wieder verschwinden", fauchte der Weihnachtsmann erschrocken.


    "Das auch?" In der Hand hielt Ruphus einen zerfledderten Reiseführer über Paris. Ne-ben dem Bild des Eiffelturms, der die Titelseite schmückte, war handschriftlich notiert "Hochzeitstag in Paris?" Weiter unten befand sich eine weitere Notiz. "Wahrscheinlich nicht, schade", war dort zu lesen.


    "Scheint so, als ob es hier noch ein wenig mehr Arbeit zu erledigen gibt", seufzte der Weihnachtsmann. Ruphus nickte kurz, und die Ansammlung von Post nebst Reisefüh-rer verschwand auf genauso wunderliche Weise, wie sie erschienen war. Gerade noch rechtzeitig, denn just in diesem Moment öffnete sich die Küchentür, und Michael kehrte zurück, gefolgt von seiner Frau.


    "Frohe Weihnacht", begrüßte Maren den Weihnachtsmann nebst Begleitung, die auf sie einen erschrockenen Eindruck machten, so als hätte man sie beinahe bei etwas er-wischt. Ihr Blick streifte besorgt den großen Sack der auf dem Boden stand, doch eine kurze Inspektion der Küche lieferte keinen Anhaltspunkt dafür, dass etwas fehlte. Selbst die Kekse sahen noch vollzählig aus.


    "Frohe Weihnacht", erwiderte der Weihnachtsmann mit tiefer Stimme. "Und was wünscht du dir zur Weihnachten, Maren?"


    "Sie wünscht sich nichts! Und hören Sie auf, uns mit dem Vornamen anzureden", erwi-derte Michael. Der Weihnachtsmann sah plötzlich verärgert aus.


    "Du bist sehr unfreundlich, Michael! Außerdem stimmt das nicht. Deine Frau hat sehr wohl einen Wunsch. Habe ich Recht?" Auffordernd sah der Weihnachtsmann Maren an, die rot anlief.


    "Nun ja, eigentlich schon, aber dieses Jahr wollen wir darauf verzichten", brachte sie zögernd hervor.


    "Aber Schatz, ich dachte.."


    "Sie wünscht sich eine Reise nach Paris, zum Hochzeitstag, ist doch nicht schwer zu erraten", warf Ruphus lässig ein. Verwirrt irrte der Michaels Blick zwischen Weih-nachtsmann, Elf und seiner Frau hin und her.


    "Woher wollen Sie das wissen?"


    "Das würde mich auch interessieren?", hakte Maren nach. Der Weihnachtsmann lä-chelte sie gutmütig an.


    "Du hast es dir doch gewünscht, und alle Wünsche gehen auf verschlungenen Pfaden dem Weihnachtsmann zu", erklärte er.


    "Jetzt verstehe ich." Liebevoll sah Maren Michael an. "Du hast es ihm verraten, um mich zu überraschen. Oh Hase, das war lieb von dir." Sie strahlte über das ganze Ge-sicht. "Du hast doch an meinen Wunsch gedacht. Hast du schon gebucht?"


    Michael fing an zu schwitzen. Er hatte das Gefühl, plötzlich in eine Bärenfalle getappt zu sein, aus der es kein Entkommen gab. "Nun..", stotterte er, während er sich über das gutmütige Grinsen des Weihnachtsmanns ärgerte. "Ehrlich gesagt, habe ich nichts ....." Das Klingeln der Türglocke rettete ihn vor einer Erklärung.


    "Wer kann das sein?", fragte Maren erstaunt.


    "Ich schätze, ich habe da so eine Vermutung", seufzte Ruphus.


    Vor der Tür wartete Thomas, Jura-Student im siebten Semster, in seinem schon leicht mitgenommenen Weihnachtsmannkostüm. Dies war nun schon sein neunter Auftritt für heute, und dementsprechend motiviert war er. Die ersten zwei bis dreimal waren ja noch ganz lustig gewesen, doch spätestens beim vierten Mal hatte ihn der Job zu ner-ven begonnen. Wahrscheinlich würden ihn die Weihnachtslieder, die die Kinder ihm mit quietschenden Stimmen vorgesungen hatten, noch im nächsten Sommer verfolgen. Zum Glück hatte der eine oder andere Hausherr Mitleid gehabt und ihm gelegentlich etwas zum Trinken angeboten. Das hatte das Ganze ein wenig erträglicher gemacht. Er seufzte bei dem Gedanken, was ihn in diesem Haus wieder erwarten würde, während er erneut auf die Klingel drückte. Wollten die ihn hier erfrieren lassen? Dies war seine letzte Tour für heute, und er wollte endlich nach Hause! Gelegentlich warf er einen ner-vösen Blick auf die Hundehütte, in der ein beeindruckend großer Schäferhund lag. Doch zum Glück hatte der sich bisher nicht gerührt. Das Drehen des Schlüssels im Schloss der Haustür riß Thomas aus seinen Gedanken. Anscheinend hatte man ihn endlich gehört. Innerlich gab er sich einen Ruck, es war wieder Showtime.


    "Ho, ho, ho, von draußen vom Walde komme ich her und ....."


    "Das ist doch logisch, schließlich leben wir im Wald", unterbrach Tina, die als Erste zur Tür gerannt und diese geöffnet hatte, Thomas Vortrag. Der war verblüfft. "Ähh, ja, da ist was dran", stotterte er. "Also, Kleine, kann ich mal deine Eltern sprechen."


    "Wo ist denn dein Rentierschlitten?" Neugierig sah Tina sich im Garten um, doch alles was sie entdeckte war ein betagter VW-Golf, der vor ihrer Gartentür parkte. Thomas seufzte. Wieder so ein Kind, das ihn mit Fragen quälte. "In der Inspektion", erwiderte er sarkastisch. "Hör mal, ich würde jetzt wirklich gerne deine Eltern sprechen." Tina sah ihn mißtrauisch an. Dieser Weihnachtsmann entsprach so gar nicht den Bildern aus ihren Büchern. So weit sie sich erinnern konnte, trug der Weihnachtsmann auch keine ausgetretenen Turnschuhe und Jeans unter seinem roten Mantel. "Du bist gar nicht der Weihnachtsmann", stellte sie energisch fest.


    "Bin ich doch, und ich habe sogar eine große Rute mitgebracht", knurrte Thomas verär-gert, dem allmählich klar wurde, dass er sich von seinem Honorar verabschieden konnte, wenn es nicht schaffen sollte, seine Rolle überzeugend zu spielen. Und im Au-genblick sah es nicht so aus, als würde ihm das gelingen.


    "Wenn du der Weihnachtsmann bist, dann weißt du auch, was ich mir gewünscht ha-be", gab Tina ihm eine letzte Chance. Hoffnungsvoll sah sie zu ihm auf. Vielleicht hatte sie sich ja geirrt, und dies war wirklich der Weihnachtsmann.


    "Na klar, jede Menge Spielzeug", bluffte Thomas aufs Geratewohl.


    "Falsch!"


    "Hey, mach die Tür wieder auf!" Ein dumpfes Klopfen ertönte, das Tina jedoch unbeein-druckt ließ. Im Eilschritt lief sie den Flur entlang und dann die Treppe hinauf. Beinahe hätte sie dabei zum zweiten Mal an diesem Abend ihren Vater überrannt, der gerade aus der Küchentür trat.


    "Wer war denn an der Tür?", rief er seiner Tochter hinterher.


    "Ein Betrüger", schallte es von oben zurück, gefolgt von einem lauten Knallen einer Zimmertür. Michael zuckte die Achseln. Heute war wirklich ein verrückter Tag. "Ja, ja, ich komme ja schon", rief er, als erneut das ungeduldige Klingeln an der Haustür er-tönte.


    "Ho, ho, ho, von draußen vom Walde komme ich...", setzte Thomas zu einem zweiten Versuch an, doch auch diesmal schaffte er es nicht, seinen Vortrag zu Ende zu bringen.


    "Was wollen Sie denn hier?", fragte Michael beim Anblick des schlecht verkleideten Studenten, der über eine beachtliche Alkoholfahne verfügte, erstaunt. Der ließ resi-gniert die Schultern hängen. Entweder hatte sich die gesamte Hausgemeinschaft gegen ihn verschworen oder er war Opfer der versteckten Kamera geworden.


    "Ihnen den neuen Hyper-Turbo-Staubsauger mit wieder verwendbarem Jutestaubsack andrehen", brummte er, wobei er Michael seinen Weihnachtssack unter die Nase hielt. "Ich hoffe, ihnen gefällt die Ausführung. Den Besen gibt es gratis dazu."


    In der Küche versuchten inzwischen der Weihnachtsmann und Ruphus verzweifelt mit-zubekommen, was draußen an der Tür passierte. Doch angesichts des Umstandes, dass Maren ihnen begeistert von Paris vor schwärmte, erwies sich das als aussichtslos. Ein plötzlicher Ruf Michaels unterbrach ihren Vortrag.


    "Schatz, kommst du bitte mal. Hier stimmt etwas nicht."


    "Sie entschuldigen mich, ich bin gleich wieder da." Maren verschwand aus der Küche.


    "Jetzt sitzen wir in der Falle." Der Weihnachtsmann seufzte. Ruphus legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter.


    "Keine Sorge, mir fällt schon etwas ein. Wozu kann ich schließlich zaubern?"


    Tina lag tief enttäuscht auf ihrem Bett, das Gesicht im Kissen vergraben. Was würde der Weihnachtsmann wohl dazu sagen, wenn er von diesem Betrüger wüßte?, fragte sie sich, als eine tiefe Stimme sie erschrocken hoch fahren ließ.


    "Na, wer wird denn am Weihnachtsabend weinen?"


    "Bist du der echte Weihnachtsmann?", flüsterte Tina beim Anblick des weißbärtigen, gütig wirkenden Mannes in dem roten Anzug, wobei sie Ruphus argwöhnisch betrach-tete. Ihr war schleierhaft, wie die beiden so plötzlich in ihrem Zimmer auftauchen konnten. Fast kam es ihr vor, als sei hier Zauberei im Spiel. Der Weihnachtsmann bückte sich zu ihr hinunter und strich ihr liebevoll über das Haar.


    "Ja, ich bin der einzig wahre Weihnachtsmann, und das ist mein Gehilfe Ruphus. Du brauchst keine Angst zu haben."


    "Habe ich auch nicht", erwiderte Tina trotzig, obwohl ihre Stimme ein wenig zitterte. "Aber wenn du der echte Weihnachtsmann bist, dann weißt du auch, was ich mir ge-wünscht habe."


    Der Weihnachtsmann nickte und öffnete seinen Sack. Tinas Augen wurden groß, als sie sah, was der Weihnachtsmann vorsichtig zutage förderte. Eine kleine, schwarz weiß gemusterte Katze. "Minka läßt dich übrigens grüßen. Es geht ihr gut im Katzenhimmel, und sie hofft, dass du auf diese Kleine hier aufpassen wirst. Bekommst du das hin?"


    Tina nickte stumm, während eine einzelne Träne über ihre Wange lief.


    "Danke", flüsterte sie leise, dann sah sie den Weihnachtsmann ehrfürchtig an. "Du bist wirklich echt!", staunte sie. Der Weihnachtsmann schmunzelte. "Oh ja, das bin ich, aber nun muß ich wieder los." Nervös sah er zu Ruphus hinüber. "Hol den Schlitten. Und laß dir etwas für diesen falschen Weihnachtsmann einfallen, damit wir Zeit gewin-nen."


    "Schon geschehen", antwortete Ruphus amüsiert.


    In seiner Hütte stellte Harro begeistert fest, dass er die Kontrolle über seine Gliedmaßen zurückbekommen hatte. Nun war es an der Zeit, den Eindringlingen zu zeigen, wer der Hund auf diesem Hof war. Sein Blick fiel auf den Mann in dem lächerlichen roten Ko-stüm, der sich heftig mit seinen Leuten stritt. Er sah zwar mit seinem weißen Bart aus wie ein alter Mann, aber Harro konnte riechen, dass das nicht stimmte. Der Mann war ein Betrüger, und Harro mochte keine Betrüger. Er hatte schon eine Idee, wie er sich dem Unbekannten vorstellen würde. In froher Erwartung zog er die Lefzen zurück, so dass sich das Mondlicht auf seinen Zähnen spiegelte. Für einen kurzen Augenblick zö-gerte er und hob irritiert den Kopf. War da nicht eben etwas Großes lautlos zur anderen Seite des Hauses hinüber geflogen? Ein Schlitten, der von seltsamen Tieren gezogen wurde? Argwöhnisch musterte er den Himmel, an dem jedoch nur der Mond in einem Meer aus lauter kleinen Wolken schwamm. Unwillig schüttelte Harro den Kopf. Jetzt litt er schon unter Wahnvorstellungen. Es war an der Zeit, sich auf das zu konzentrieren, was er vor der Schnauze hatte, und das leuchtete verlockend rot. Harro setzte sich leise in Bewegung.


    "Toll, ein echter Rentierschlitten, und er kann fliegen." Tina war begeistert. "Nehmt ihr mich mit?", fragte sie den Weihnachtsmann, der gerade dabei war, mit der Hilfe von Ruphus durch das geöffnete Fenster auf den Schlitten zu klettern. Die Augen des Stoff-bären, der bei diesem Manöver wie zufällig von der Fensterbank gefallen war, schienen zu sagen: Das schaffst du nie.


    "Das geht leider nicht", ächzte der Weihnachtsmann, während er einen halsbrecheri-schen Spagat zwischen Fensterbank und Schlittenkufe zu Wege brachte, der jeden Stuntman vor Neid hätte erblassen lassen. "Noch mehr Gewicht verträgt der Schlitten nicht."


    Auf der anderen Seite des Hauses ging es inzwischen lautstark zu.


    "

  5. #5
    Erfahrener Benutzer Avatar von ginger
    Registriert seit
    28.03.2007
    Alter
    65
    Beiträge
    6.745

    Standard


    Fuenfter Teil:

    Das geht leider nicht", ächzte der Weihnachtsmann, während er einen halsbrecheri-schen Spagat zwischen Fensterbank und Schlittenkufe zu Wege brachte, der jeden Stuntman vor Neid hätte erblassen lassen. "Noch mehr Gewicht verträgt der Schlitten nicht."


    Auf der anderen Seite des Hauses ging es inzwischen lautstark zu.


    "Sie verschwinden jetzt von unserem Grundstück. Ein betrunkener Student, der dazu noch meine Tochter verängstigt hat, kommt uns nicht ins Haus", fauchte Maren wü-tend.


    "Nicht ohne mein Geld. Wir haben einen Vertrag."


    "Das können Sie mit Harro aushandeln."


    "Wer ist Harro?"


    Statt zu antworten, wies Michael nur lässig auf etwas oder jemanden hinter Thomas. Ein tiefes Knurren, das plötzlich hinter seinem Rücken ertönte, ließ Thomas schlucken.


    "Ärgern Sie ihn nicht zu sehr, er ist sehr sensibel", spottete Maren.


    "Warten Sie, ich..", setzte Thomas an und brach ab, als er sich unvermittelt der ge-schlossenen Tür gegenüber sah.


    "Meinst du, Harro wird ihm etwas antun?", fragte Maren mit leichter Besorgnis in der Stimme. Immerhin war Weihnachten, da sollte man Milde walten lassen. Michael winkte beschwichtigend ab.


    "Ach was, er wird ihn nur ein wenig durch den Garten jagen, wie er es immer mit dem Postboten macht. Das schadet nicht und ist gut für die Fitness. Er wird uns dankbar sein." Ein lautes Bellen, gefolgt von einem heftigen Fluchen, ließ Michael aufhorchen. Dann ertönte das laute Klappen der Gartentür, und einen Augenblick später heulte ein altersschwacher VW-Golf Motor auf. Dem Tempo nach zu urteilen, mit dem er leiser wurde, hatte der Fahrer es eilig, Distanz zwischen sich und dieses Haus zu bringen. "Siehst du, er hat es geschafft."


    "Oder Harro fährt den Wagen und jagt ihn jetzt den Berg hinunter."


    Michael lachte. "Nette Idee, aber jetzt würde ich zu gerne wissen, wo dieser Weih-nachtsmann in unserer Küche herkommt. Der kam mir gleich ein wenig suspekt vor." Energisch schritt Michael den Flur hinunter, öffnete die Küchentür und blieb verblüfft stehen. "Er ist verschwunden", stellte er erstaunt fest.


    "Wo ist er hin?"


    "Keine Ahnung, vielleicht füllt er gerade seinen Sack mit unserer Stereoanlage."


    "Dann sollten wir ihn schleunigst finden."


    Eine Etage höher hatte der Weihnachtsmann inzwischen das Wunder vollbracht und war sicher auf dem Schlitten gelandet. Der hatte zwar bedenklich geschwankt, so dass Tina erschrocken die Luft angehalten hatte, aber letztlich war nichts weiter passiert.


    "Auf Wiedersehen lieber Weihnachtsmann."


    "Auf Wiedersehen Tina, und paß gut auf die Kleine auf", erwiderte er und wies auf die Katze, die es sich auf Tinas Armen gemütlich gemacht hatte. Sie sah mindestens so glücklich aus wie Tina.


    "Ach ja, da wäre noch etwas", bemerkte Ruphus, der aus seinem grünen Umhang ein offiziell aussehendes Schreiben hervor zog. "Gib das deinem Vater und sag ihm, ich hätte den Brief vorhin auf dem Weg gefunden. Wahrscheinlich hat er ihn verloren. Ver-giss das bitte nicht, es ist wichtig."


    Tina nickte stumm und nahm den Brief entgegen, der auf wundersame Weise vom Schlitten ins Zimmer hinüber geschwebt war.


    "Und nun leb wohl."

  6. #6
    Erfahrener Benutzer Avatar von ginger
    Registriert seit
    28.03.2007
    Alter
    65
    Beiträge
    6.745

    Standard


    Sexter Teil und Ende

    Auf Wiedersehen", rief Tina, "bis zum nächsten Jahr", dann verschwand der Schlitten wie ein Gespenst in der Nacht.


    "Den Brief hast du doch nicht wirklich gefunden", stellte der Weihnachtsmann fest.


    "Sagen wir, ich habe ein wenig nachgeholfen, außerdem habe ich noch eine kleine Überraschung vorbereitet", erwiderte Ruphus mit einem Grinsen auf dem Gesicht. Der Weihnachtsmann schnaufte gutmütig. "Ich sehe schon, in ein paar hundert Jahren trägst du einen langen weißen Bart und machst meinen Job."


    "Tja, wer weiß, möglich ist alles. Vielleicht sollte ich meine Berufsplanung noch einmal überdenken", bemerkte Ruphus, worauf beide in ein so herzhaftes Gelächter ausbra-chen, dass die Rentiere beinahe vom Kurs abgekommen wären. "Na dann wollen wir mal sehen, was uns als nächstes erwartet."


    "Was machst du denn da?" Erstaunt betrachtete Maren ihre kleine Tochter, die vor dem offenen Fenster stand und in den Himmel starrte. Erst jetzt entdeckte sie, dass Tina etwas auf dem Arm trug. "Und wo kommt die Katze her?"


    "Die hat mir der Weihnachtsmann geschenkt, und er hat gesagt, dass es Minka gut geht. Ist das nicht toll?"


    "Ja, das ist toll, mein Schatz. Michael, kommst du mal, ich glaube, sie sind hier hin-aus." Vorsichtig ging Maren zum Fenster hinüber und spähte in den Garten hinab, doch da war nichts zu sehen.


    "Kannst du etwas entdecken? Hey, Tina, wo kommt denn die Katze her?"


    "Hat sie vom Weihnachtsmann", erwiderte Maren an Tinas Stelle.


    "Und das hat mir der Weihnachtself für dich gegeben. Er hat es gefunden."


    "Zeig mal her." Erstaunt nahm Michael seiner Tochter den Brief ab, öffnete ihn und begann zu lesen. Maren, die inzwischen das Fenster schloss, warf ihm einen besorgten Blick zu. So einen Gesichtsausdruck hatte sie bei ihrem Mann schon lange nicht mehr gesehen. "Was steht denn da drin?", wollte sie wissen.


    "Das glaubst du nicht!" Michael jubelte begeistert, worauf die Katze verängstigt von Ti-nas Armen sprang und sich unter einem Stuhl versteckte. "Ich habe einen neuen Job!"


    "Was?" Aufgeregt rannte Maren zu Michael hinüber und riß ihm den Brief aus der Hand. Ihre Augen flogen über den Text. "Tatsächlich", stellte sie ungläubig fest. "Das ist ein Wunder." Als hätten sie den gleichen Gedanken gehabt, fuhren ihre Köpfe zum Fen-ster hinüber, wo angeblich der Weihnachtsmann verschwunden war.


    "Glaubst du ..?", fragte Maren zögernd.


    "Ehrlich gesagt ...." Michael stockte. Seine Welt war mit einem Mal ins Wanken geraten. Hatte er etwa wirklich den Weihnachtsmann in seine Küche geschleppt? Tinas Blick irrte zwischen ihren Eltern hin und her. Konnte das sein, dass die etwa nicht an den Weihnachtsmann glaubten? Energisch stampfte sie mit dem Fuß auf.


    "Natürlich war das der Weihnachtsmann!", stellte sie kategorisch fest.


    Michael nickte, bückte sich und hob die kleine Katze auf, die noch immer unter dem Stuhl hockte. Er sah fragend zu Maren hinüber, die unbemerkt von Tina ihre Zustim-mung signalisierte, dann wandte er sich seiner Tochter zu. "Natürlich war das der Weihnachtsmann", sagte er und stellte erstaunt fest, dass er selbst ein wenig daran glaubte, "und einen neuen Hausbewohner hat er uns auch noch gebracht. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Und nach Paris kommen wir auch noch." Liebevoll zwin-kerte er seiner Frau zu.


    Harro hatte inzwischen seine Posten am Gartentor aufgegeben. Er bezweifelte, dass sein Opfer noch einmal zurückkehren würde. Das war schade, denn es hatte Spaß gemacht, den Fremden durch den Garten zu jagen. Während er zurück zu seiner Hütte trottete, meldeten sein feines Gehör ihm, dass seine Leute etwas taten, was sie als Singen be-zeichneten und Harro regelmäßig in den Ohren weh tat. Doch da sie immer nur dann sangen, wenn sie glücklich waren, nahm Harro es gelassen hin. Wenigstens ging es sei-nen Leuten gut. Plötzlich jedoch stieg ihm der Geruch von Gebratenem in die Nase. Überrascht blieb er stehen und hob witternd die Nase. Kein Zweifel! Der Geruch kam direkt von seiner Hütte. Begeistert rannte er hinüber und stellte verblüfft fest, dass sich sein Trockenfutter in einen riesigen Haufen seiner Lieblingsfleischstücke verwandelt hatte. Der große Weihnachtshund hatte ihm also doch nicht vergessen. Einen Augen-blick zögerte er noch, hineinzubeißen, da ihm die Sache nicht geheuer vorkam, doch dann überwand er seine Scheu. Schließlich lautete seine Devise, man nahm, was man vor die Schnauze bekam.

  7. #7
    Erfahrener Benutzer Avatar von ginger
    Registriert seit
    28.03.2007
    Alter
    65
    Beiträge
    6.745

    Standard



    Eine Neue Geschichte

    Das kleine Kätzchen und der Weihnachtsmann
    Barbara Pronnet

    Ein kleines Kätzchen lag eingerollt auf einer Stufe eines alten Hauses. Sein kleiner Bauch hob sich langsam auf und ab.
    Es war ein Tag vor Weihnachten. Die vielen Füße mit den dicken Winterschuhen die an dem Kätzchen vorbeilaufen bemerkt es nicht.
    Es hatte leicht angefangen zu schneien und ein kalter Wind pfiff um die Häuserecken.
    Das grauweiße Kätzchen schlug die Augen auf und steckte die Nase in die feucht Luft. Kalt ist es geworden und es gab heute noch nichts zu fressen. Es streckte sich und beobachtete die vielen Menschen die hektisch und schnell durch die Straßen liefen.
    So eine Kälte kannte es nicht, denn es war erst im März geboren worden und bei der Mutter mit all den vielen Geschwistern war es herrlich warm gewesen. Der Geruch der Milch die es regelmäßig zu trinken gab stieg ihm in die Nase und es leckte sich das kleine Maul.

    Schön war es da gewesen, aber plötzlich waren die Geschwister weg und die Mutter hatte sich nicht mehr um es gekümmert. Das war eine schlimme Zeit gewesen, auf einmal mußte sich das Kätzchen selbst Nahrung suchen und die Geborgenheit der Familie fehlte ihm sehr.
    Immer weiter lief es von dem Ort der zerronnenen Behaglichkeit fort und landete an einem Platz wo es viele Häuser und Menschen gab. Dort war es laut und gefährlich, die großen Gegenstände wechselten schnell und das Kätzchen mußte oft einen riesigen Satz machen um einem rollendem Ungeheuer auszuweichen.

    Es gab zwar viele Mäuse und Reste von Fressen in großem Behältern, aber gemütlich war das nicht.
    Auch die Revierprobleme der bereits einheimischen Katzen war immer wieder ein großes Problem. Ständig gab es Auseinandersetzungen und Raufereien bei dem auch mal Blut floß.
    Das Leben war schwierig und gefährlich geworden und nur in ihren Träumen konnte das kleine Kätzchen noch Freude empfinden.
    Und jetzt war es auch noch kalt geworden. Die Nässe kroch sich unters Fell und einen warmen Schlafplatz zu finden wurde immer schwieriger.

    Traurig und mit knurrendem Magen schlich das Kätzchen die graue Hausmauer entlang. Die weißen Flocken die jetzt wild umher tanzten legten sich auf sein Fell und färbten es weiß.
    Ein großer weißer nasser Ball flog ihm entgegen und zerplatze auf seinem Kopf. Das Kätzchen duckte sich ängstlich und hörte lachende Kinderstimmen an sich vorbeilaufen.
    Es schüttelte sich und die kalte Masse fiel zu Boden. Überall brannten schon Lichter und die Dunkelheit breitete sich langsam über die Stadt. Jetzt mußte ein halbwegs warmer Schlafplatz gefunden werden und vielleicht lief ihm ja eine unvorsichtige Maus über dem Weg. Das wäre mal ein Glück. Aber die gewieften Stadtmäuse hatten längst die Taktik der Katzen erkannt und versteckten wohlweislich in ihren tiefen Löchern.

    Die vielen dunklen und unheimliche Gänge der nassen Straßen machten ihm immer wieder Angst.
    Mutlos setzte es sich kurz auf den Randstein und schnaufte tief durch.
    Still war es geworden und kein Licht brannte mehr. Es schien, als würden alle Häuser verschwunden und kein Geräusch war zu hören.

    Plötzlich sah es in einer nahen Querstraße eine helles Licht leuchten.
    Das war so hell, daß das Kätzchen die Augen zuzwinkern mußte. Vorsichtig setzte es eine Pfote vor die andere und schlich in die Nähe der ungewohnten Helligkeit. Sein Herz klopfte wild doch eine angeborene Neugier ließ sich nicht verleugnen.
    Als es um die Ecke lugte woher das merkwürdige Licht kam glaubte es seinen Augen nicht zu trauen.
    Das Licht schien wie ein Kreis und in dem Kreis saß ein dicker Mann mit einem langen, weißem Bart und einem rotem Mantel und neben ihm stand eine Kutsche und daran waren große Tiere eingespannt. Er hatte die Hand an der Stirn und schüttelte ständig den Kopf und murmelte:

  8. #8
    Erfahrener Benutzer Avatar von ginger
    Registriert seit
    28.03.2007
    Alter
    65
    Beiträge
    6.745

    Standard



    Teil 2

    ?Ohje, ohje, ohje, ohje?.


    Um ihm herum lagen lauter Spielsachen kunterbunt durcheinander. Da gab es Puppen, Stofftiere ?auch eine rote Stoffkatze war darunter -, Naschwerk und vieles mehr. So viele herrlich Sachen hatte das Kätzchen noch nie gesehen.
    Der dicke Mann hielt eine alten Leinensack in die Höhe und sagte zu den komischen Tieren vor seiner Kutsche.
    ?Ihr wart eindeutig zu schnell. Ihr seid ja in die Kurve gegangen als wäre heute schon Silvester. Jetzt haben wir den Salat. Bis ich den Sack wieder gefüllt habe ist es ja bereits hell und dann können wir sehen wie wir das schaffen.?

    Die braunen Tiere mit den großen Hörner standen betreten da und steckten die Köpfe zusammen.
    Es war ihnen anscheinend sehr peinlich.

    Das Kätzchen konnte sich gar nicht satt sehen an diesen vielen Herrlichkeiten. Wie schön mußte das sein, mal wieder so richtig ungezwungen zu spielen und etwas so richtig zu zerfetzen, sowie es immer mit den Geschwistern gewesen war. Das Licht strahlte eine wohlige Wärme aus und das Kätzchen hätte sich gerne in mitten der Spielsachen gesetzt und nur geschaut.

    Aber der fremde Mann war sehr ungehalten und schüttelte weiter pausenlos den Kopf.

    Vielleicht schleiche ich mich einfach mal heran und verstecke mich unter dem großen Teddybären, dachte es mutig. Der Mann dreht ihm sein dickes Hinterteil zu und war ganz vertieft darin, einer Puppe das lange blonde Haar zu entwirren.
    Kätzchen machte eine kleinen Sprung und kroch ganz leise unter den großen braunen Bären. Er hatte eine dickes, weiches Fell und er erzeugte eine wunderbare Wärme. Mit weit geöffneten Augen beobachtete es den großen Mann der ?es traute kaum seinen Ohren- ein kleines Liedchen vor sich her sang.
    ?Morgen Kinder wird?s was geben, morgen werden wir uns freuen. Welch ein Trubel, welche eine Leben, wird in unserem Hause sein. Einmal werden wir noch wach, heißa dann ist Weihnacht?.

    Die Ohren des kleinen Kätzchens standen ganz hoch. Das war sehr schön was der dicke Mann da sang. Aber was war denn bitte sehr Weihnacht? Was zum Fressen? Oder heißen die Tiere vor der Kutsche Weihnacht?
    Es überlegte, ob es dieses Wort schon mal gehört hatte, aber meistens hörte es nur ?geh weg? oder bekam einen Tritt.
    Durch die Wärme und den Gesang des alten Mannes begann sich unser Kätzchen sehr wohl zu fühlen. Es entspannte sich und legte die Ohren an. Die Pfoten steckte es unter den Körper.
    War das gemütlich, dachte es. Ich bleibe noch ein bißchen und dann verschwinde ich wieder, nahm es sich vor.
    Die Augen wurden ihm immer schwerer und eine bleierne Müdigkeit breitet sich in seinem Körper aus. Nein, nein ich döse nur ein wenig, ich habe alles im Griff.

    Das dachte es sich zumindest denn plötzlich wurde es von einer riesengroßen Hand hochgehoben und in der Sack gesteckt. Voller Angst und zu Tode erschrocken durch den leichten Schlaf machte das kleine Kätzchen einen Purzelbaum und versank immer tiefer in den großen dunklen Käfig. Die Krallen tief in den Teddybären gebohrt verharrte es voller Entsetzen in der Dunkelheit. Immer mehr Gegenstände fielen auf seinem Kopf und wurden mit der großen Hand in den Sack gestopft.

    Oh nein, was ist nur passiert. Ich bin doch ganz wach gewesen, jammerte das kleine Kätzchen.
    Wie komme ich da bloß wieder raus?
    Aber das war nicht so einfach, denn der große Sack wurde mit einer Kordel verschnürt und auf einmal flog der Sack samt Inhalt in die Luft und fiel auf einen harten Boden. Gott sein Dank war der Teddybär dick gepolstert, denn sonst hätte sich unser Kätzchen ganz schön weh getan.
    Aber damit war noch lange nicht alles zu Ende. Plötzlich gab es einen Ruck und alles war in Bewegung. Immer schneller und schneller wurde es und das Kätzchen hörte die Stimme des Mannes laut rufen.
    ?Los auf geht?s, keine Müdigkeit vorschützen wir haben Zeit aufzuholen?.

  9. #9
    Erfahrener Benutzer Avatar von ginger
    Registriert seit
    28.03.2007
    Alter
    65
    Beiträge
    6.745

    Standard


    Teil:3

    Es gab ein zischendes Geräusch und irgendwie wurde es dem Kätzchen plötzlich ganz leicht als würde es schweben und durch die Luft fliegen. Aber das kann ja nicht sein, Katzen können nicht fliegen und Menschen doch eigentlich auch nicht. Zumindest hatte es so was noch nie erlebt.
    Doch es war so.

    Der große Sack ruckelte und wackelte und das erste Mal in seinem jungen Leben war unser Kätzchen froh, daß es noch nichts gefressen hatte, denn sonst würde ihm jetzt furchtbar schlecht werden.
    Die Krallen fest in den Teddy verkeilt starrte es angstvoll in die Dunkelheit und sein kleines Katzenherz schlug ihm bis zum Halse.
    Das war wirklich das sonderbarste, was es bis jetzt erlebt hatte. Nicht mal die Schlägerei mit dem schwarzen Tyrannen der in der Straße mit den vollsten Mülltonnen wohnte konnte es damit aufnehmen.
    Immer höher und schneller ging es und das Kätzchen verlor bald jedes Zeitgefühl. Wahrscheinlich werde ich jetzt sterben? Schade, ich hatte doch noch so viel vor.
    Traurig schloß es die Augen und krallte sich wieder fester in das weiche Fell des Teddybären.

    Doch was war das? Plötzlich stand alles still. Es gab ein dumpfes Geräusch und der große Sack wurde hochgehoben. Wieder wurde unser Kätzchen ein wenig geschüttelt, aber nicht mehr so stark wie am Anfang. Es glaubt auch Stimmen zu hören und wärmer war es auch wieder geworden.

    Kätzchen spitzte die Ohren und hörte was da draußen los war.

    ?Hallo liebe Kinder, wißt ihr denn, wer ich bin? fragte die dunkle Stimme des großen Mannes.
    Kätzchen hatte es gleich wieder erkannt.

    ?Du bist der Nikolaus? schrien aufgeregte Kinderstimmen durcheinander.

    Nikolaus, dachte das Kätzchen, schon wieder so ein fremdes Wort. Aber wenigstens wußte es jetzt, wie der große Mann mit Namen hieß.

    ?Das ist richtig, und weil ihr brav gewesen seid, habe ich euch auch etwas mitgebracht.?

    Der Nikolaus öffnete den Sack und griff mit seiner großen Hand hinein. Er erwischte die blonde Puppe die knapp neben unserem jetzt wieder sehr ängstlichen Kätzchen lag.

    ?Die ist für dich, weil du ganz besonders fleißig in der Schule warst.? sagte der Nikolaus freundlich.

    ?Vielen Dank, lieber Nikolaus? bedankte sich eine artige Stimme.

    ?Und was bekomme ich? rief eine helle Stimme ungeduldig dazwischen.

    ?Sei doch ruhig, du kommst auch noch dran? Das klang so ähnlich wie die Stimme des Nikolaus, aber doch ein bißchen anders. Wieviele wollten denn da noch Geschenke? dachte das Kätzchen nervös.

    ?Für dich habe ich ganz was Schönes dabei? lachte der Nikolaus

    Wieder fuhr die große Hand in den Sack. Oh Schreck sie packte nach dem braunen, dicken Teddybären, an welchem unser Kätzchen so angstvoll klammerte.
    Nein, nein, schrie es innerlich, und krallte sich noch mehr in das Fell und plötzlich gab es einen Ruck und Kätzchen war aus dem Sack und landete in zwei kleinen Kinderarmen.

    Das war vielleicht ein Anblick.
    Alle schauten mit großen Augen auf das kleine Kätzchen, welches sich am liebsten in den Teddybären hinein verkrochen hätte.

    Der Nikolaus, die Eltern und das kleine Mädchen schauten verdutzt auf den kleinen Jungen der sein ?Geschenk? in den Armen hält.

    ?Eine Katze? rief er freudig, ?und ein Bär, gleich zwei Geschenke?.

    ?Da stimmt aber was nicht? murmelte der Nikolaus stirnrunzelnd, ?das stand nicht auf meiner Wunschliste?.

    Auch die Eltern der Kinder schauten völlig entgeistert, erst auf die Katze und dann auf den Nikolaus.

    ?Ist die süß?, sagte das kleine Mädchen und streichelte liebevoll das Fell des Kätzchens.

    ?Schau mal sie hat ja Angst?. Die Mutter nahm unser Kätzchen, was noch völlig verängstigt an dem Teddy hing vorsichtig in den Arm und kraulte ihm das Köpfchen.

    ?Tja das ist zwar nicht ganz das was wir bestellt hatten, aber so ein hübsches Tierchen geben wir natürlich nicht mehr her. Dich schickt ja förmlich der Himmel zu uns.? lachte die freundliche Frau und dann lachten alle.
    Noch nie hatte Kätzchen so liebevolle Streicheleinheiten bekommen. Es begann sich zu entspannen und schnurrte ganz leise.

    Die ganze Familie stand jetzt um den unfreiwilligen Gast und beobachteten das kleine Kätzchen.
    Der Nikolaus legte seine große Hand auf sein Köpfchen.

    ?Ich bin mir zwar noch nicht sicher, aber ich kann mir schon denken wo ich dich aufgelesen habe. Hier wird es dir bestimmt gut gehen kleines Kätzchen.? schmunzelte der Nikolaus

    Ihr könnt euch sicher denken, wie überrascht unser Kätzchen war als es von allen Seiten gestreichelt und geherzt wurde. Das erste Schüsselchen voller warmer Milch schmeckte wundervoll und die Erinnerungen an die frühere Zeit mit der Mutter und den Geschwistern stiegen wieder in ihm hoch.

  10. #10
    Erfahrener Benutzer Avatar von ginger
    Registriert seit
    28.03.2007
    Alter
    65
    Beiträge
    6.745

    Standard


    Teil:4 und Letzter

    Und als sich der Nikolaus später verabschiedete und mit lauten Gebimmel von dannen fuhr, stand unser Kätzchen dankbar und glücklich am Fenster und schaute zu wie sich die große Kutsche mit den vielen braunen Tieren in die Luft schwang und langsam am Horizont verschwand.

    Es hatte wieder leicht angefangen zu schneien und als sich unser Kätzchen vom Fenstersims ins heimelige warme Wohnzimmer mit dem großen geschmückten Baum und den Geschenken und den vielen Menschen die alle so lieb zu ihm waren begab, da dachte es sich, wenn das Weihnachten ist, dann ist es das schönste, was ich je erlebt habe.

+ Antworten
Seite 1 von 3 1 2 3 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein

Pet-Movies - Webkatalog - Topliste - Tier-Topliste - Mensch & Haustier

Tier-Link-Topliste Pagerank-Backlink für Ihre Tierseite Google PageRank Topsites petrank.de
Counter gratis free hit counters by free-counters.net Schlaue Haustiere Fauna Top Sites Animal Topsites