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  1. #1
    Langfusselbeschäftiger Avatar von Dana
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    Standard Emotionaler Schmerz



    Rex kam mit 9 Wochen zu ­seiner Familie. Er winselte die ganze Nacht und wurde da­raufhin in eine Box gesperrt. Die Box stand im Flur, weit weg von seiner Familie. Rex war sehr unglücklich. Dann machte er seine Geschäfte in die Wohnung, obwohl die Familie doch 3 x täglich mit ihm Gassi ging. Also schnappte sich der „Alpha“ (= Familienoberhaupt Mann) Rex im Genick und stupste ihn kraftvoll mit der Nase in den Kothaufen. Rex versuchte zu verstehen. Er wurde im Genick gepackt, das machte seine Mama immer, wenn sie ihn trug. Dann in den Haufen getunkt ...Sollte er das etwa essen? Keine Ahnung.

    Social Pain
    Rex wurde älter, und die Probleme änderten sich. Jeden Morgen ging die ganze Familie aus dem Haus. Rex war alleine und rief seine Familie, aber niemand kam. Rex blieb alleine und rief und rief ...
    Ein Nachbar beschwerte sich bei der Familie. Alles Schimpfen half nicht. Kaum gingen alle weg, rief Rex nach ihnen. Die Familie kaufte ein Anti-Bell-Halsband, was bedeutet, jedesmal wenn Rex bellte, winselte, heulte, bekam er einen Luftstoß auf die Nase. Rex erschrak. Sein Gehirn verknüpfte: Immer, wenn ich meine Familie rufe, bekomme ich diesen „Schlag“ auf meine empfindliche Nase. Rex rief seine Familie nicht mehr – aber er vermisste sie weiter, und weil sein Gehirn das Rufen mit dem Gefühl des Vermissens und dem Schlag auf die Nase verknüpft hatte, lernte Rex, dass es auch ­körperlich weh tut, jemand zu vermissen. Alleine das Unterdrücken des Sich-äußern-Wollens und nicht Dürfens (in diesem Fall Heulen, Bellen) heißt social pain und bedeutet, dass bei seelischem Schmerz das Schmerzzentrum im Gehirn den gleichen Schmerz empfindet wie bei körperlich empfundenem Schmerz. Dieser kam bei Rex noch dazu.

    Rex' Highlight war das nachmittägliche Toben mit seinen Hundefreunden im Wald. Hier lief er frei und ging jagen. Sehr zum Miss­fallen seiner Familie, aber seine Hundefreunde fanden das toll. Rex hatte so viel Spaß, er wurde von den anderen Hunden gelobt, bekam Anerkennung und kam so in den Genuss, sich absolut gut zu fühlen (social brain). Rex lernte sehr schnell, solange ich jage, geht’s mir gut ... Das sogenannte Gefühlsdreieck, bestehend aus Dopamin (sorgt für Antrieb), Oxytozin (wichtig für Resonanz und Bindung – beim Menschen auch „Kuschelhormon“ genannt) und körpereigenen Opiaten feuerten aufs Heftigste.

    Unter Strom
    Seine Familie fand den Jagdtrieb so schlimm, dass sie sich ein sog. Stromreizgerät besorgten. Rex ging wieder jagen. Er fühlte auf einmal einen wahnsinnigen Schmerz am Hals, schrie auf und brach zusammen. Er zitterte am ganzen Körper, seine Muskeln zuckten einfach so vor sich hin, und er speichelte sehr stark. Als er versuchte sich wieder hinzustellen, taumelte er und war desorientiert ... Dabei stand das ­Gerät doch auf niedrigster Stufe.

    Rex wurde zu einer Tierärztin gebracht. Selbstverständlich wurde das „Erziehungshalsband“ vor dem Tierarztbesuch gegen ein normales ausgewechselt. Die Tierärztin untersuchte Rex sehr genau und fand am Hals zwei punktförmige Verbrennungen. Nach der Behandlung sprach sie die Besitzer darauf an. Antwort des Mannes: Rex ist dominant und braucht eine starke Hand.

    Rex galt mittlerweile als Problemhund. Sein Verhalten be­gründete sich auf dem erlittenen sozialen und physischen Schmerz. Sein Schmerzzentrum hat gelernt: Schmerz als Reaktion auf soziale Ausgrenzung (Einsperren in die Box, später alleine in der Wohnung lassen). Sein Körper „produzierte“ zu wenig „Glückshormone“. Er befand sich – im wahrsten Sinne des Wortes – permanent „unter Strom“. Es ist bewiesen, dass schon eine ein- bis dreimalige Schmerzempfindung ausreicht, um Nerven zu veranlassen, bei einer gleichen oder ähnlichen Situation autark den Schmerzreiz an das Gehirn zu melden und somit auch zu empfinden.

    Spiegelneurone
    Rex wurde abgegeben und vermittelt. Sein neuer Besitzer ist sehr ruhig, bewegt sich gerne und lacht viel. Rex entspannt sich in seiner Nähe immer mehr. Das Halsband wurde durch ein Geschirr ersetzt. Rex geht wieder gerne spazieren, die Erinnerung an das Erlebte, u.a. ausgelöst durch das Tragen des Halsbandes, verblasst langsam. ­Dafür dass Rex nicht mehr Wild jagt, sorgt jetzt eine Schleppleine. Wenn Rex Leckerchen jagt, freuen sich Rex und sein neuer Besitzer. Da feuern die Glückshormone um die Wette. Überhaupt übernimmt Rex viel von seinem Besitzer. Wenn beide gemächlich durch die Stadt schlendern, läuft Rex genauso langsam wie sein Herrchen. Wenn Herrchen Rex zum Spielen auffordert und dabei mit den Armen schlenkert, wird Rex auch ganz hibbelig und springt rum. Wenn Herrchen ein Leckerchen „aufstöbert“ und dabei ein bisschen Erde wegkratzt, fängt Rex an zu buddeln, und als sich letztens abends ein Betrunkener in Herrchens Garten verlief, war Rex genauso wütend wie sein Herrchen und knurrte und bellte noch lauter als Herrchen schimpfte.

    Dafür, dass die beiden das gemeinsam erleben können, sind Spiegel­neurone zuständig. Spiegelneurone sind – vereinfacht ausgedrückt – Nervenzellen im Gehirn,die es uns ermöglichen, etwas mitzuerleben, was andere erleben. Wir ­sehen etwas und erleben es mit. Wenn z.B. ein trauriger Film läuft und die Darsteller etwas Trauriges erleben, weint oft das halbe Kino mit.

    Rex ist in seinem Verhalten viel sicherer und ruhiger geworden. Wenn er heute mal über die Stränge schlägt und Herrchen schimpft, wird seine Stimme viel tiefer, oder er versperrt Rex den Weg oder – wenn’s mal ganz arg ist – wird auch mal ein Schnauzengriff angesetzt. Rex versteht das – der Griff zwickt zwar, aber sein Körper und seine Seele schmerzen nicht mehr.
    Quelle

    WUFF | Artikel | Emotionaler Schmerz

    LG Dana

    Dein erster Hund wird nie das werden was Du erwartest. Aber alle anderen nach ihm, werden nie wieder das für Dich sein, was Dein erster Hund war.

    Lache nie über einen Hund, der einen Schritt zurück geht. Er könnte Anlauf nehmen.

    Als Gott erfuhr, das Hundesport nur für die Besten ist, hat er fußball erfunden!

  2. #2
    Moderator Avatar von kuddelkiki
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    Das ist alles soooo wahr......nur machen sich leider die wenigsten HH darüber Gedanken.
    GLG
    Kerstin

    "Sic vis pacem para bellum"-"Wenn du Frieden willst, bereite Dich zum Krieg vor"

  3. #3
    Langfusselbeschäftiger Avatar von Dana
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    Jedesmal wenn ich den Text lese - den kenne ich schon ziemlich lange, hab ich einen Klos im Hals.

    Ich sehe Rex jetzt nicht als Problemhund, denn er hat alles richtig gemacht. Problemhunde gibt es nicht, aber es gibt Problemhalter.
    LG Dana

    Dein erster Hund wird nie das werden was Du erwartest. Aber alle anderen nach ihm, werden nie wieder das für Dich sein, was Dein erster Hund war.

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  4. #4
    Erfahrener Benutzer Avatar von wilde2
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    Zitat Zitat von Dana Beitrag anzeigen
    Jedesmal wenn ich den Text lese - den kenne ich schon ziemlich lange, hab ich einen Klos im Hals.

    Ich sehe Rex jetzt nicht als Problemhund, denn er hat alles richtig gemacht. Problemhunde gibt es nicht, aber es gibt Problemhalter.
    Das sehe ich genauso wie du

    Gruß Silvia

  5. #5
    Aik
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    Jo Dana das stimmt ...und sogar paar Tränchen kullerten...aber er hat es jetzt gut und das macht hoffe ich alles wieder gut. Solche Halter gibt es nur zu oft....wenn ich immer höre ...och ich will auch einen Hund ...ich arbeite zwar voll aber egal dannach bin ich ja da.Und dann gehen sie 10 Minuten spazieren und wehe es Regnet ..dann nur mal schnell vor die Tür.
    LG Tina
    Keine Straße ist lang mit einem Freund an der Seite .


  6. #6
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    so eine wichtige Information über Hundeverhalten und Empfinden sollte jedem Hundehalter mit dem Hundesteuerbescheid zugesandt werden- ist so wichtig
    Ein Leben ohne Menschen kann ich mir vorstellen, ein Leben ohne Tiere nicht.

  7. #7
    Moderator Avatar von kuddelkiki
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    @ muck
    Das ist eine sehr gute Idee!
    GLG
    Kerstin

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  8. #8
    Langfusselbeschäftiger Avatar von Dana
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    Und was ist mit denen, die ihren Hund nicht angemeldet haben?

    Chandor hab ich im November geholt und er war immer mit dabei, auch beim Einkaufen. Er hat eben im Auto gewartet. Als es zu warm dafür wurde, hab ich ihn zu Hause gelassen. Das Erste mal waren es vll 5 - 10 min. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn er gebellt oder gejault hätte, weil er ja immer bei mir war - hat er aber nicht. Er lag im Flur und hat gewartet.

    Als Neela dazu kam, hab ich meine wöchentliche Einkaufstour einfach bei behalten. Auch sie war ruhig. Ihr fiel es wahrscheinlich leichter, weil sie Chandor hatte. Sie kennt es aber auch ganz alleine zu sein.

    Dauert mein weg sein länger als die normale Einkaufstour, werde ich ganz ruschelig und will nach Hause. Sie machen zwar keinen Blödsinn, aber auch ohne ihr zutun kann irgendwas passieren.
    LG Dana

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  9. #9
    Langfusselbeschäftiger Avatar von Dana
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    Ihr könnt euch ja den Text ausdrucken und euch bekannten Hundehaltern in den Briefkasten stecken. Dann erwischt es auch die, die den Hund nicht angemeldet haben.
    LG Dana

    Dein erster Hund wird nie das werden was Du erwartest. Aber alle anderen nach ihm, werden nie wieder das für Dich sein, was Dein erster Hund war.

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